Der Mann aus Übersee
Ich war gegen den Irak-Krieg. Nicht, weil mir die Knallcharge Saddam so leid getan hätte - oder die Amis auch mal daneben schießen - oder ich an ein Gleichgewicht der Kräfte glaube - oder der Nahost-Konflikt verschärft würde. Ich war gegen den Irak-Krieg, weil ich ihn für einen strategischen, dummen Fehler hielt. Und ich habe nicht gegen den Irak-Krieg demonstriert, weil der 11. September nicht nach dem Irak verlangte, weil man für offene Rechnungen keine Amerikaner ins Feuer hätte schicken sollen und weil mir die antiamerikanische Mischpoke nicht gefiel, die sich dabei unters Volk mischte - mit Paris als schlechtem Vorbeter.
Deutschland wurde von Amerika befreit und das war gut so! Mich wundert's zumal, dass es wenige Menschen zu geben scheint, die wie T*** an jede Ortseingangsstraße einen amerikanischen Panzer platzieren wollen. Uta Ranke-Heinemann gehört in gewisser Hinsicht nicht dazu. Jedermann hat seine Erinnerungen und sie seien ihm unbenommen. Aus meiner Familie kenne ich andere und vielleicht ist das einer der Gründe, warum meine Großmutter angesichts des Afghanistan-Krieges nicht in Empörung ausbrach, sondern analytisch wie immer dozierte: "Da haben diese Sandalenträger gedacht, sie könnten die Amis reihenweise in Zinksärgen nach Hause schicken."
Heute erschien bei Spiegel Online ein Artikel, der von Arroganz nur so strotzte. Ich kann viele der so genannten NeoCons nicht leiden. Aber Rumsfeld zum Generalsekretär der 6. Internationalen zu küren, George W. als sowjetbolschewistischen Dialektiker zu deduzieren und Wolfowitz mit Horkheimer/Adorno auf's ticketspekulative Kreuz zu legen - da bleibt einem wirklich die Spucke weg. "Nation building": megacool, dass wir da unsere Lektion gelernt haben. Deswegen gefällt uns auch Peter Scholl-Latour so gut, weil früher war in Arabien alles besser und den Teppich konnte man auch liegen lassen.
Genau genommen hatte Deutschland unter den Fittichen einer Pax Atlantica seine schönsten Zeiten und mit Schadenfreude werden sich, beim Zeus, nur die Götter behelfen können; für Europa ist ein verwirrtes, kleinmütiges Amerika der wirkliche "Schaden". Es hilft nicht, wenn Jürgen Trittin in einer Art angelsächsischem Mantra beschwört, ein selbst verursachtes Desaster ist ein selbst verursachtes Desaster ist ein selbst verursachtes Desaster. Es hilft auch nicht, wenn die Amerikaner nun ex negativo von BesserWessis dafür geziehen werden, die Republikaner abgestraft zu haben - anstatt strammdeutsch an der CondyTheke auszuharren und das nächste pisswarme Miller zu bestellen. Politik ist schließlich auch eine Frage des Service.
Ein Gespenst geht um in manchen Köpfen, das Gespenst der Demokraten - Hillary Clinton als Stadtneurotikerin mit staatlicher Krankenversicherung - Al Gore als iMovie-Cutter inside the beltway - Jesse Jackson womöglich als Vorsitzender der US-Notenbank - oder gar ein Pinguin als Außenminister? Diese erlauchte Position und der Ökinator bewahren letzteren immerhin davor, als Hundefutter für Luftnummern oder Gysi-Mobil verarbeitet zu werden ... D. Niebels Retriever wird sich mit Fleisch à la halal oder dem Reimport dänischer Dosen aus Saudi-Arabien begnügen müssen. Aber was tut man nicht alles für wahre Freundschaft.
Eines der schönsten Propaganda-Ereignisse des letzten Jahres war "Die Luftbrücke" und in einer brillanten Szene sprang nach dem Stromausfall das Radio an und spielte "Hier ist der Rundfunk im amerikanischen Sektor - eine Stimme der freien Welt". Die Amis waren doch so im Ganzen ganz passabel: sie sahen gut aus (s. u.), kochten für die Bergleute Nudeln mit Zucker und Kochschinken (weil sie schon damals in Eiweiß-, Kohlenhydrat- und Fettmolekülen dachten), gaben ihnen Arbeit ("Kohle, Kohle"), fuhren schnittige Jeeps (in denen man gerne mitfuhr) und hatten immer ein wenig Schokolade im Handschuhfach.
Man sollte wieder zu den einfachen Wahrheiten zurückkehren:
Historically victory in foreign war has always meant hegemony: You win, you take over. We not only occupied Germany and Japan militarily after World War II, we also--and without a whit of self doubt--imposed our democratic way of life on them. We took our victory as a moral mandate as well as a military achievement, and felt commanded to morally transform these defeated societies by the terms of our democracy. In this effort we brooked no resistance whatsoever and we achieved great success. (Wall Street Journal, Link von Achgut.com)
Das selbst verursachte Desaster kann uns also nicht kalt lassen und ein Blick zurück im Zorn ist keine Lösung. Love it or not: it's that way or the highway. Wenn der letzte M.A.S.H.-Helikopter vom Dach der UNICEF in Bagdad abhebt, sehen nicht nur wir ganz schön alt aus ... dutzende von Saddam-Klons in Apocalypse-now-Laune werden den Irak in einen Sharia-Themenpark oder eine Kegelbahn für Köpfe verwandeln. Oder beides. Oder in den highway to hell. Was also haben wir eigentlich dagegen, dass der Irak vorübergehend zum Disneyland wird? Du bist Deutschland - du bist die Mickey Maus ;-)
notabene
--> das Foto eines netten GI's, der 1945 in Bottrop stationiert war:



2 comments:
Es ist schlimm mit dem Antiamerikanismus in Deutschland, der sich hinter einem feigen "Nie wieder Krieg" Appeasment gegen alles versteckt.
Ein Amerikaner hat da sinnigerweise draus gemacht: "Nie wieder Krieg gegen Faschismus".
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